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Schloss Pöls

In der abwechslungsreichen Geschichte war einst auch ein Verwandter von George Washington, dem ersten Präsident der USA, der Besitzer von Schloß Pöls„Das Schloss ode Behausung, als den alten adelig Sitz Pölß so zwar nicht groß, aber doch woll accomodiert, mit schönen stuben und teifen Kellern ..“ so begann um 1635 ein Unbekannter die Beschreibung des Schlosses Pöls, und er hatte viel zu erzählen.Da gabe es ein Meierhaus, einen Milchkeller, einen Rohr- und Schöpfbrunnen, eine neue erbaute Mühle, 2 Baumgärten, 4 Teiche, Tischrechte auf der Kainach, Wälder, Weiden, Wiesen, Felder und „ein Hof so ein wenig oberhalb des Schlosses gelegen, der Wolferhof genannt“, und, und, und. Untertanen der Herrschaft in Pöls, damals Graf Rosenberg, fanden sich in Petzendorf, Oisnitz und Pöls. Zu dieser Zeit hate das kleine Schloß, ursprünglich ein Zehenthof des Erzbischofs von Salzburg und 1244 erstmals genannt, bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich, wie Robert v. Bravalle für sein steirisches Burgen- und Schlösserbuch recherchierte.Bis der offenbar recht stattliche Hof – 1515 gehörten auch „vier Huben zu Pöltz“ dazu, von jenen zu Saurau Ende des 16. Jahrhunderts zu einem Edelmannssitz ausgebaut wurde, waren bereits mindestens 4 Besitzer zu verzeichnen. Auch in der folge bargen die Mauern des Schlosses Pöls die unterschiedlichsten Geschlechter, fast könnte man sagen, fast alle, die im Laufe Rang und Namen hatten, waren auf dem Schloß. Und wenn nicht als Besitzer – hier sind so klingende Namen wie Herberstein, Rosenberg, Schrottenbach, Dietrichstein, Rittersburg, Kalchberg, Lattermann, Galler zu nennen – so sicherlich als Gäste. Unter Ludwig Graf Galler mutierte das Schloß sogar vorübergehend zur Brauerei. Die Begründung für die Braubewilligung wirft kein gutes Licht auf die damaligen Brauer im Umland, denn es wurde geklagt, dass der Stainzer Brauer, der zugleich Lebzelter sei, nur in seinem Hause und noch dazu sehr schlechtes Bier ausschenkte, dass das Wildoner Brauhaus in diese Gegend nicht liefere und dass das Bier aus Graz im Sommer Sauer werde. 48 Gemeinden hatten sich für die Errichtung des Pölser Brauhauses ausgesprochen; trotzdem wurde nichts rechtes daraus. Nach anfänglichen Erfolgen – in den Jahren 1794 bis 1799 wurden im Schloß Pöls rund 7.000 Hektoliter gebraut – wurde im Jahr 1801 die Brauerei außer Betrieb genommen, obwohl die Bevölkerung über das schlechte Bier von Preding klagte, das „all zu viel mit Wasser vermengt wird“. 

Die Herren von Schloß Pöls - Bericht aus der Gemeindechronik Zwaring-Pöls

Familie Washington   

Zu den interessantesten Bewohnern des Schlosses zählten aber zweifellos Mitglieder aus der Familie des Begründers der Vereinigten Staaten, George Washington; von ihnen gibt es ach die meisten Überlieferungen. Der nachmalige Schlossherr, Freiherr Maximilian von Washington, wurde durch Zufall Hauslehrer des Sohnes des Großherzogs von Oldenburg und heiratete Friederike, die Schwester seines Schülers. Als „Aussteuer“ erhielt die Herzogin von Oldenburg, verehelichte Baronin Washington, 1855 Schloß PölsUnd eine monatliche Apanage von 300 Gulden, eine stattliche Summe, mit der es ich damals gut leben ließ. Die Hochblüte des Schlosses begann. Zeitweise sorgten bis zu 26 Bedienstete für die Familie. Gäste gingen ein und aus. Unter anderem auch König Otto I. von Griechenland (Schwager der Schlossherrin), der im Schlosspark eine Tanne aus seiner Heimat pflanzte, die jetzt noch gedeiht. Exzellenz Maximilian widmete sich der Fischzucht, ging zur Jagd, finanzierte aber auch die erste Schule in Pöls und baute die Umgebung des Schlosses zur Parkanlage aus. Zwei Söhne komplettierten die Familie – George und Stefan. George heiratete und übernahm das Schloß Pöls: seine Frau Gisela, geborene Gräfin Welserheim, hatte ein Faible für Federvieh sie züchtete wahre Raritäten. Der Taubenkobel – jetzt total unter Grün begrben – wurde ihr als Geburtstagsüberraschung in einer einzigen Nacht erbaut.Der erste Weltkrieg brachte das Ende des Großherzogtums Oldenburg und auch der Apanage. Wirtschaftlich untalentiert, konnte George das Schloß nicht gewinnbringend führen, sein Stiefsohn aus 2. Ehe – Gattin Gisela war an Blutvergiftung gestorben – beschleunigte den Untergang: Das Schloß musste (wiedereinmal) verkauft werden. Von der Pölser Washington-Linie lebt niemand mehr: Stefan war früh in Sizilien gestorben, George beging in Graz Selbstmord und seine einzige – anerkannte – ledige Tochter verunglückte tödlich.Die neuen Besitzer, Elisabeth Allesch und ihr Bruder, Gewerke Ernst Mahla, traten einen Teil des Grundes im Tausch gegen Besitz in der Obersteier an das Bundesheer ab – der GÜPL konnte entstehen. 1929 ließen sie das Schloß vollständig renovieren und auf Glanz bringen. Ein Glanz, der im 2. Weltkrieg arg leiden musste: Die Russen verwendeten beispielsweise alte Gemälde als Kulissen für Theateraufführungen im Garten und auch die Engländer agierten nicht gerade als Gentelmen. Dennoch gibt es noch Besonderheiten: Hübsche Stuckdecken im Nordflügel aus den Jahren 1680 und 1770, ein beeindruckendes Deckengemälde, Arkaden. Erst kürzlich entdeckte Fresken im „Gartensalon“ dürften sogar eine kleine Sensation darstellen. Allerdings – diese einzigartigen Zeugnisse aus dem 17. Jahrhundert freizulegen, ist teuer. Derzeit zu teuer. Trotzdem: das malerische Schloß, noch immer in Besitz der Familie Allesch, könnte eine Zukunft haben, in der Kunst und Kultur eine Rolle für die Region spielen. Dr. Kurt Allesch: „Etwas in diese Richtung wäre denkbar“.(Artikel aus der Gemeindezeitung Winter 1996/1997 von Frau Erltrud Kirchmayer).